Vor 20 Jahren stieg Konica Minolta in den Markt für Produktionsdruck ein. Ebenso lange besteht die Partnerschaft mit der Druckerei Leonhard Grethlein aus Solingen. Wie bewältigt ein deutscher Druckereibetrieb überschaubarer Größe die dramatischen Umwälzungen in der Branche? Und wo sieht er Chancen für die Zukunft?
Krieg, Frieden, Tech-Revolutionen: In der Druckerei Leonhard Grethlein aus Solingen spiegeln sich die großen Entwicklungen des 20. und frühen 21. Jahrhunderts wider. Seit genau 20 Jahren ist auch Konica Minolta ein Teil dieser wechselvollen Geschichte: So lange währt bereits die Partnerschaft des Familienbetriebs im Bergischen Land mit dem internationalen Digitaldruck-Profi. Joachim Grethlein leitet die Druckerei in dritter Generation. Im Gespräch erklärt er, wie sein Unternehmen auf die Umwälzungen der vergangenen Jahrzehnte reagiert hat – und wo er in Gegenwart und Zukunft immer noch große Chancen sieht.
Die 1. Generation: Buchdruck, Bomben, Neubeginn
Gegründet wurde die Druckerei von Joachim Grethleins Großvater: ein Schweizerdegen, also sowohl gelernter Schriftsetzer als auch Buchdrucker, der sich nach seinen Wanderjahren 1933 in Solingen selbstständig machte und nach den starken Zerstörungen des Krieges gleich nochmal von vorne anfangen musste. Unter entsprechend schwierigen Bedingungen: Papier wurde zunächst kontingentiert und vom Verband zugewiesen, Bleilettern gab es nur, wenn man selbst Blei zum Einschmelzen schickte. Das wenige Geld wurde mit Buchdruck verdient.
Die 2. Generation: Der Schritt zum Offset-Druck (und zum Fax!)
Die nächste Generation stieg wenig später in die Druckerei ein und übernahm 1971 die Leitung: In diesem Jahr wurde auch der Offset-Druck eingeführt, die Leistungen des Betriebs wurden in der Folge ausgeweitet, bis hin zur Einführung einer Repro-Abteilung. Der Buchdruck (mit Bleilettern) wurde noch länger fortgeführt, gleichzeitig wurden jedoch immer mehr Drucksachen für Industriekunden produziert, vor allem unterschiedlichste Formulare. Auch wenn man sich heute fast schon darüber lustig macht, erwies sich eine weitere Innovation als große Arbeitserleichterung: Die breite Einführung des Fax-Geräts in den 1980ern ermöglichte es, Korrekturabzüge rasch und ohne Botendienst zum Kunden zu schicken.
„Man muss viel investieren, um technologisch am neuesten Stand zu sein. Wir haben uns von einer klassischen Druckerei zu einem modernen Mediendienstleister entwickelt.“
Joachim Grethlein, Inhaber Druckerei Leonhard Grethlein
Die 3. Generation: Einstieg in den Digitaldruck
Joachim Grethlein, der Enkel des Gründers, leitet die Geschäfte seit 2002. Der Diplomingenieur für Druckereitechnik führte bereits davor Computer im Betrieb ein, was Kalkulation und Auftragsmanagement revolutionierte. Der Einstieg in den farbigen Digitaldruck erfolgte 2005 mit der ersten Maschine von Konica Minolta. „Wir merkten: Die Welt wird bunter, Farbdruck stärker nachgefragt“, erinnert sich Grethlein. „Für Formulare und Briefpapier reichten noch ein oder zwei Farben.“ Außerdem lassen sich mit dem Digitaldrucksystem kleine Auflagen besser abwickeln: „Wir müssen keine Druckplatte produzieren, benötigen weniger Zuschuss. Das führt zu viel geringeren Fixkosten beim ersten Druckbogen.“
Heute verfügt der 5-Personen-Betrieb über zwei Digitaldrucksysteme, nämlich eine AccurioPress C4070 und eine C6085, jeweils mit der Auto-Inspection-Technologie IQ-501, sowie die Workflow-Automatisierung AccurioPro Flux. Außerdem über eine Offset-Maschine und auch noch zwei alte Buchdruckmaschinen. „Die werden aber primär zur Weiterverarbeitung genutzt, also fürs Stanzen, Rillen, Prägen“, so der Inhaber.
Immer offen für Neues: automatisierte Qualität
„Da haben wir schon lange hin und her überlegt“, erinnert sich Grethlein an die Zeit vor acht Jahren, als Konica Minolta ihm ein besonderes Angebot machte: Wolle er als erste Druckerei in Deutschland das neue IQ-System für „Intelligent Quality Care“ einführen? Also für eine automatische Überwachung von Qualität, Farbe und Standgenauigkeit inklusive Echtzeitkorrekturen, auf Basis eines spezifischen Papierprofils, das sehr rasch eingerichtet werden konnte. Das Ergebnis: konstant hohe Qualität ohne viel Aufwand. „Das war technologisch ein Wahnsinnsfortschritt“, meint Grethlein. Für eine kleine Druckerei wie seine war es aber auch eine Herausforderung, nicht zuletzt finanziell. „Schlussendlich haben wir uns aber nie gescheut, Neues auszuprobieren. Und auch dieses Investment in Effizienz und Qualität hat sich absolut ausgezahlt.“
So gelingt eine (Business-)Partnerschaft
„Ich bin sehr glücklich, dass wir uns vor 20 Jahren für die Zusammenarbeit mit Konica Minolta entschieden haben“, sagt Grethlein. Zum einen wegen der Drucksysteme und der ständigen Innovation. Was an der Kooperation aber zudem hervorzuheben sei: der Service. „Sämtliche Techniker sind auf einem sehr hohen Niveau ausgebildet und bemüht, einem sehr schnell weiterzuhelfen. Auch bei sehr speziellen Problemen gibt es immer Spezialisten, die über ein sehr tiefes Wissen verfügen. Das ist ein Vorteil davon, wenn man direkt mit dem Hersteller von Drucksystemen zusammenarbeitet.“
„Ich bin sehr glücklich, dass wir uns vor 20 Jahren für die Zusammenarbeit mit Konica Minolta entschieden haben.“
Joachim Grethlein, Inhaber Druckerei Leonhard Grethlein
Wie die Digitalisierung den Markt auf den Kopf stellte …
Die digitale Transformation änderte nicht nur die technischen Abläufe innerhalb von Druckereien, sondern wirbelte auch Angebot und Nachfrage am Markt durcheinander. Ein Beispiel: Wenn man früher eine Aktie kaufte, wurde ein Durchschreibsatz mit sechs Kopien erstellt. Das bedeutete auch: viel Arbeit für Druckereien, für gewöhnlich jene vor Ort. Der Formularbereich fiel durch die Digitalisierung praktisch weg. Gleichzeitig entstanden neue Mitbewerber: Online-Druckereien, die – dank günstiger Datenübermittlung via Internet – überregional Aufträge einsammeln und dadurch die Fixkosten pro Auftrag nach unten drücken.
… und das Berufsbild des „Druckers“ veränderte
„Mit der Verbreitung von PCs und entsprechender Software begannen die Leute, selbst ,kreativ‘ zu werden“, meint Grethlein. Grafik und Bildbearbeitung werden heute mit Photoshop in jeder Wohnung und jedem Büro gemacht – Aufgaben, die früher ein eigener Ausbildungsberuf waren. „Berufstechnisch ist viel weggefallen. Was früher mindestens fünf unterschiedliche Berufe waren – vom Satz über die Retusche bis zur Offsetplatten-Produktion – kann heute von einer einzigen Person an einem entsprechenden Gerät erledigt werden.“ Und vieles, etwa die Hochzeitseinladung, wird sogar von Laien daheim gemacht. „Auch dadurch fielen viele Aufträge für Druckereien weg.“
Von der klassischen Druckerei zum modernen Mediendienstleister
„Viele Druckereien sind vom Markt verschwunden“, sagt Grethlein. „Manche haben wohl die Zeichen der Zeit verschlafen.“ Was er anders gemacht hat? „Man muss viel investieren, um technologisch auf dem neuesten Stand zu sein. Wir haben uns von einer klassischen Druckerei zu einem modernen Mediendienstleister entwickelt.“ Das heißt: keine Formulare, dafür viel Geschäft etwa im Bereich Werbung und Verpackung, Produktion von Mailings und auch von Dekomaterialien inklusive Beschriftung mithilfe entsprechend entwickelter Software, Lettershop-Aufgaben wie Adressaufbereitung, Kuvertierung, Versand. „Ich habe heute viel mit Excel-Tabellen und variablen Daten zu tun: Wenn man personalisierte Mailings mit 50 unterschiedlichen Unterschriften versendet, dann ist das nicht nur ein Druckauftrag, sondern ein kleines IT-Projekt.“ Also eine lange Liste an Aufgaben, die mit dem altehrwürdigen Kerngeschäft des Druckens nur wenig zu tun haben.
Partnerschafts-Pokale
Vor 20 Jahren betrat Konica Minolta die Welt des Produktionsdrucks. Zahlreiche Partnerschaften, die damals entstanden, währen bis heute. Das gehört gefeiert: Daher bedankte sich Konica Minolta bei diesen Betrieben mit einem „Partnerschafts-Pokal“, unter anderem bei der Druckerei Leonhard Grethlein. Im Bild: Joachim Grethlein und Nico di Lisa von Konica Minolta.
Hier liegen noch Chancen für Druckereien
Joachim Grethlein ist ein Mann der Gegensätze. Sein Erfolgsrezept für Druckereien im 21. Jahrhundert klingt einerseits ein wenig altmodisch: „Eine intensive Kundenbindung. Geben und nehmen. Mit dem Kunden mitdenken. Zuverlässigkeit.“ Zugleich geht er stets neue Wege: „Wir haben immer neue Dinge ausprobiert, seien es Etiketten, Verpackungen oder neue Materialien wie Polyesterfolien.“ Welche Wege empfiehlt er für die Zukunft?
Das Thema Verpackungen werde in Zukunft wohl noch wichtiger werden, meint Grethlein. Ebenso wie Personalisierung, kleine Auflagen in großer Vielfalt: Hier ermöglicht der Digitaldruck ganz neue Produkte. Etwa vollständig individualisierte Reiseführer – 160-Seiten-Druckwerke in Auflage 1, wie Grethlein sie für einen innovativen Kunden produziert, mit persönlichen Daten, ein ganz besonderes Erinnerungsstück.
Auch Totgeglaubtes wird wieder zum Trend: Postkarten etwa, wie Grethlein sie für ein lokales Start-up produziert, als Glückwunschkarte oder einfach als Deko-Objekt. Hochwertige Illustrationen einer Künstlerin, die auf ebenso hochwertigem Material zu drucken sind. „Da ist die Haptik ganz wichtig“, so der Druckprofi. „Da muss der Kunde spüren, das ist etwas Besonderes, das er da in der Hand hat. Das ist dann etwas ganz anderes als ein Geburtstagsgruß per E-Mail.“
Schwierige Nachfolge: Generation Nr. 4?
„Wir überlegen gerade, in neue Maschinen zu investieren“, erzählt Grethlein. „Denn ich habe schon Lust, diese Arbeit noch einige Jahre zu machen.“ Und dann? „Die Nachfolge ist ein echtes Problem“, so der Unternehmer. „Vor allem kleine Betriebe finden kaum jemanden, der das Geschäft weiterführen möchte.“ Wobei zwei Herzen in seiner Brust schlagen: Auf der einen Seite freue man sich, wenn die eigenen Söhne und die Tochter sich toll entwickeln und neue Wege einschlagen. Aber: „Auf der anderen Seite wäre es schon schön, wenn jemand Junges das Werk fortführen würde. Und 2033 könnten wir schließlich sogar das 100-jährige Jubiläum feiern.“
Breites Portfolio
Die Druckerei Leonhard Grethlein bietet zahlreiche Veredelungs- und Verarbeitungsoptionen an, Dienstleistungen im Bereich Werbung und Verpackung, aber auch Produktion von Mailings und Dekomaterialien, Lettershop-Aufgaben und vieles andere.